Aussprache und Betonung steuern

Stand: 1. November 2026

„Dr.“, „3.11.“, „Soest“: Bei Abkürzungen, Datumsangaben, Eigennamen und Fremdwörtern muss eine Stimme entscheiden, wie sie zu lesen sind. Über die Schreibweise legen Sie fest, was gesprochen wird.

Textinsprache.de hat keine eigenen Knöpfe für Betonung oder Lautschrift und keinen SSML-Eingabemodus. Die Aussprache lenken Sie über die Schreibweise: Zahlen und Abkürzungen ausschreiben, schwierige Namen so schreiben, wie man sie spricht, Satzzeichen bewusst setzen und lange zusammengesetzte Wörter mit Bindestrich gliedern. Prüfen Sie das Ergebnis durch Anhören und ändern Sie bei Bedarf nur die betroffene Stelle.

Grundsatz: Schreiben Sie für das Ohr

Bei mehrdeutigen Stellen entscheidet die Stimme selbst. „1/2“ kann ein Bruch, ein Datum oder eine Aufzählung sein; „Dr.“ steht fast immer für „Doktor“, „Str.“ meist für „Straße“, aber nicht jede Abkürzung ist so eindeutig.

Gehen Sie deshalb so vor: Text einfügen, einmal komplett anhören, Problemstellen notieren und genau dort die Schreibweise anpassen. Den Rest des Textes lassen Sie unverändert. Die angepasste Fassung ist dann ein reiner Sprechertext; für die gedruckte Fassung behalten Sie die ursprüngliche Schreibweise.

Zahlen, Daten und Uhrzeiten

Einfache Zahlen liest jede Stimme richtig. In folgenden Fällen sollten Sie nachhelfen:

  • Datumsangaben: „3.11.“ kann unterschiedlich gelesen werden. Schreiben Sie „3. November“ oder „dritter November“, je nachdem, was gesprochen werden soll.
  • Uhrzeiten: „14:30 Uhr“ ist meist unproblematisch; wer „halb drei“ hören möchte, schreibt es so.
  • Telefonnummern und Codes: Schreiben Sie die Ziffern einzeln und fassen Sie sie in Dreier- oder Vierergruppen zusammen, mit einem Komma als Pause zwischen den Gruppen: „0 3 0, 1 2 3, 4 5 6 7“. Dann wird die Nummer nicht als große Zahl vorgelesen. Für Ansagen hilft zusätzlich das Tempo „langsam“.
  • Einheiten und Zeichen: „%“, „€“, „km/h“ oder „°C“ werden oft richtig erkannt. Wenn nicht, schreiben Sie „Prozent“, „Euro“, „Kilometer pro Stunde“, „Grad Celsius“.
  • Ordnungszahlen und römische Ziffern: „Ludwig XIV.“ oder „Kapitel IV“ schreiben Sie besser aus: „Ludwig der Vierzehnte“, „Kapitel vier“.

Abkürzungen und Akronyme

Bei Abkürzungen gibt es zwei Arten: solche, die buchstabiert werden (ADAC, PDF, EU), und solche, die man als Wort spricht (NATO, UNESCO). Die Stimme muss erkennen, welche Art vorliegt. Verbreitete Abkürzungen kennt sie meist; bei Firmen- oder Fachkürzeln liegt sie öfter daneben.

  • Soll buchstabiert werden, helfen Punkte oder Bindestriche zwischen den Buchstaben: „A-B-C“ oder „A. B. C.“.
  • Soll als Wort gesprochen werden, schreiben Sie es klein mit großem Anfangsbuchstaben: „Nato“ statt „NATO“.
  • Abkürzungen wie „z. B.“, „u. a.“, „bzw.“ oder „ca.“ schreiben Sie im Zweifel aus: „zum Beispiel“, „unter anderem“, „beziehungsweise“, „circa“.

Die Sitzung beginnt am dritten November um vierzehn Uhr dreißig im Raum B 2. Bitte bringen Sie unter anderem den Bericht als P-D-F mit. Rückfragen bitte an die Nummer 0 8 9, 2 4 6, 8 1 3 5.

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Namen und Fremdwörter

Eine deutsche Stimme liest einen englischen oder französischen Namen nach deutschen Regeln, sofern sie ihn nicht kennt. Abhilfe schafft eine Schreibweise, die sich an der gewünschten Aussprache orientiert, also eine vereinfachte Lautschrift mit deutschen Buchstaben:

  • „Nike“ wird je nach Stimme unterschiedlich gesprochen; „Naiki“ lässt keinen Zweifel.
  • Für einen französischen Namen wie „Jacques“ kann „Schack“ helfen.
  • Bei Ortsnamen mit besonderer Aussprache, etwa „Soest“ (gesprochen „Soost“), schreiben Sie die gesprochene Form.

Probieren Sie verschiedene Varianten aus; manchmal genügt ein einzelner Buchstabe. Längere Passagen in einer anderen Sprache wandeln Sie besser getrennt mit einer Stimme dieser Sprache um. Die KI-Stimmen erkennen die Sprache am Text und kommen deshalb für gemischte Texte in Frage; prüfen Sie das Ergebnis aber auch hier durch Anhören.

Betonung über Satzzeichen und Satzbau

Die Satzmelodie folgt der Zeichensetzung. Ein Komma erzeugt eine kurze Pause, ein Punkt eine längere, ein Fragezeichen hebt die Stimme am Ende. Diese Wirkung können Sie gezielt nutzen:

  • Lange Sätze teilen. Zwei kurze Sätze klingen fast immer natürlicher als ein langer mit vielen Einschüben.
  • Kommas als Atempausen. Ein zusätzliches Komma vor einem wichtigen Wort lässt dieses deutlicher hervortreten, auch wenn es grammatisch nicht nötig wäre.
  • Fragezeichen richtig setzen. Eine Frage ohne Fragezeichen wird wie eine Aussage gesprochen.
  • Gezielte Pausen: Für längere Stille gibt es Pausen-Marken wie [Pause 1s]. Mehr dazu im Ratgeber Pausen in die Sprachausgabe einfügen.

Großbuchstaben zur Betonung („Das ist WICHTIG“) helfen dagegen nicht zuverlässig. Die Stimme liest das Wort entweder normal oder buchstabiert es.

Lange zusammengesetzte Wörter

Lange Komposita wie „Donaudampfschifffahrtsgesellschaft“ oder „Grundstücksverkehrsgenehmigungszuständigkeitsübertragungsverordnung“ sind für jede Stimme schwierig. Oft wird an der falschen Stelle getrennt oder betont. Ein Bindestrich an der Fugenstelle schafft Klarheit: „Grundstücks-Verkehrs-Genehmigung“.

Wenn die Stimme selbst der Grund ist

Manchmal liegt es nicht am Text, sondern an der Stimme. Die Neural-Stimmen wie Vicki und Daniel klingen natürlicher als die Standard-Stimmen Marlene und Hans. Die HD-Stimmen von Google und Microsoft und die KI-Stimmen setzen Betonungen nach eigener Auswertung des Satzes und lesen dieselbe Stelle oft anders als die Polly-Stimmen. Gelingt eine Stelle trotz angepasster Schreibweise nicht, versuchen Sie es mit einer anderen Stimme. Hinweise zur Auswahl gibt der Ratgeber Deutsche Stimmen im Vergleich.

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